Sunday, July 22, 2007

Der Norden

Wir entscheiden uns in den letzten zwei Reisewochen ein wenig umzudisponieren. Ein kleiner Abstecher in den Norden, noch weiter als Guadalajara, soll die Kilometerzahl noch ein wenig höher treiben, auch wenn unser Geldbeutel prinzipiell anderer Meinung ist. Aber alle Bekannten weisen uns darauf hin, dass es sich lohnt in den kulturreichen Städte Zacatecas und Guanajuato vorbeizuschauen. Wir verbringen wir ganz unerwartet noch ein paar spannende Tage - in jeglicher Hinsicht.

Wieder erwartet uns ein neues Bild. Kein Schachbrettmuster durchzieht die Städte, sondern verwinkelte, kleine Straßen, die bergauf und bergab zu schweißtreibenden Spaziergängen führt. Edelmetalle übersäen die Gesteinsschichten und ließen in unglaublicher Geschwindigkeit die Städte in den eher wüstenhaften, menschenunfreundlichen Gegenden gedeihen. Der schnelle Reichtum führt zur kulturellen Vielfalt und einer recht anschaulichen Architektur. Man fühlt sich eher in südeuropäischen Regionen katapultiert. Einer der wenigen Nachteile sind die extrem hohen Preise. Für Übernachtung und Verpflegung darf man mindestens die Hälfte nochmal draufschlagen. Doch was solls, nicht alle Tage gönnt man sich dieses kleine Vergnügen.

Zacatecas empfängt uns mit ereignisreichen Abendveranstaltungen. Durch die gesamte Stadt, bis spät in die Nacht, ziehen selbst organisierte Umzüge, die mit viel Lärm, manchmal erträglicher, manchmal weniger die Einwohner bei Laune halten wollen. Mit großen Vergnügen lassen wir uns von unserem Instinkt durch die Straßen führen und verlaufen uns regelmäßig, verlieren uns in dem Labyrinth. Schade, dass wir nicht noch etwas mehr Zeit besitzen um wirklich in die Stadt eintauchen, ihre geheimen Ecken entdecken und auch am wirklichen Leben teilnehmen zu können. Es bleibt ein schöner Moment.

Die Ankunft in Guanajuato ist ganz besonders. Der Stadtbus lässt uns mitten in einem dunklem Tunnel aussteigen. Wir fragen zur Sicherheit gleich zweimal beim Busfahrer nach, der uns geduldig versichert, dass wir uns hier im Zentrum der Stadt befinden. Eigenartig! Doch weißt er uns auf eine kleine Treppe, an deren Ende ein kleiner Lichtschein zu erkennen ist. Schwerbeladen quälen wir uns Stufe für Stufe in die Höhe, und wir erreichen den zentralen Platz . Mittlerweile konnten wir einen Großteil unserer Geschenke schon in Guadalajara besorgen und ziehen nun diese in unseren neu erstandenen Koffern hinter uns her. Unglücklicherweise nicht die praktischste Art zu Reisen. Die Suche nach einem angenehmen Hotel dauert länger als erwartet. Die Preise scheinen sich gegenseitig immer weiter in die Höhe treiben zu wollen. Uns stockt der Atem. Wir finden etwas halbwegs Anständiges und Bezahlbares und stürzen uns ins Nachtleben. Es wimmelt von Bars und Restaurants. Das Erste was uns das Hirn duchwandert ist ein leckeres Steak, eine Spezialität des Nordens. Ja, blutig bitte. Hmmm, was für ein Genuß. Nichts gegen Tortillas und Bohnen und die ganzen mexikanischen Leckereien. Doch ist es schon so lange her, dass wir ein so richtiges Steak genießen durften!

Ein Nacht wollen wir bleiben und in der nächsten Nacht nach Mexiko-City mit dem Bus zurückfahren. So dachten wir uns das, aber das Schicksal war nicht der selben Meinung. Das Bett teilten wir uns mit hungrigen Milben, oder ähnlichem Ungeziefer, was uns mit Bissen übersäte. Nach ungefähr zwei Stunden Schlaf, mehr war durch ständige Juckreize unmöglich, durften wir uns auf der Toilette ordentlich entleeren. Man glaubt es nicht: die letzte Woche erwischt uns die Turista. Das Wetter ist schlecht, wir frieren und haben Bauchschmerzen. Was jetzt? Wir buchen das Ticket um und fahren direkt mit dem Bus nach Mexiko. Zum Glück gibt es ein brauchbares Klo an Bord, nur so überstehen wir die Fahrt.

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